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Gendern im Content Marketing: Ja oder nein? So findest Du durchs Gendern Deine Wunschkund:innen + 5 Tipps für aktives Gendern.

Gendern im Content Marketing: Ja oder nein? So findest Du durchs Gendern Deine Wunschkund:innen + 5 Tipps für aktives Gendern.

29. Oktober 2023

Achtung: Hier geht es NICHT darum, Dich und andere vom Gendern zu überzeugen.

Ja, ich gendere, aber Du kannst das halten, wie Du willst.

Hier geht es darum, wie Gendern Deine Positionierung im Marketing beeinflusst.

Am Ende ist es eine Entscheidung, die Du treffen musst.

Und dieser Artikel soll Dir einen Einblick über die Parameter geben, die zu bedenken sind.

Natürlich ist vorab eine gründliche Zielgruppenanalyse und die entsprechende Positionierungsarbeit die Voraussetzung für die Entscheidung: Gendern? Ja oder nein?

Warum ich mich dafür entschieden habe, erfährst Du ein Stück weiter unten.

Verliere ich dadurch Kund:innen?

Definitiv.

Juckt mich das?

Definitiv nicht.

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Warum?

Weil ich festgestellt habe, dass ich durch das Gendern mehr meiner Wunschkund:innen bekomme.

Achtung: Es kann sehr gut sein, dass das bei Dir nicht der Fall ist.

Denn Wunschkund:innen sind unseren eigenen Einstellungen in der Regel sehr nahe.

Darum kommen wir mit ihnen meisten am besten klar und erzielen mit ihnen die besten Ergebnisse.

Mir wird ziemlich oft geschrieben, dass man mit mir nicht arbeiten würde, weil man das elende Gegendere nicht ertragen könne.

Das wäre doch sehr schade.

Ich solle doch damit aufhören.

Umgekehrt funktioniert es vermutlich auch.

Es kommt vielleicht nicht so häufig vor, aber es gibt sicher auch Menschen, die Menschen, die nicht gendern anschreiben, weil sie gern mit ihnen arbeiten würden, aber nur, wenn sie anfangen zu gendern …

Komisch, oder?

Von beiden Seiten.

Denn wenn das der einzige Grund sein soll, nicht mit mir oder einer anderen Person zu arbeiten, obwohl man es mit jeder Faser des eigenen Körpers möchte, dann finde ich das in meiner Welt zumindest seltsam.

Natürlich arbeite ich Menschen zusammen, die nicht gendern.

Deren Expertise wird ja nicht weniger, nur weil sie nicht gendern.

Auch hier gäbe es wieder eine Menge Für und Wider, in dass wir einsteigen könnten.

Tun wir aber an dieser Stelle nicht.

Denn hier geht es um die Auswirkungen des Genderns auf Dein Marketing.

Also lass uns anfangen.

Einleitung: Beispiel Gendern im Marketing

Stell Dir vor, Du willst Dir ein neues Fahrrad kaufen.

Anfang des Jahres war das bei mir der Fall.

Ich wollte mir ein eMountainbike kaufen.

Also habe ich meine Antennen ausgefahren und mich umgeschaut.

Folgender Text ist mir in einer Beschreibung aufgefallen:

„Das Bike für den aktiven Mann.

Mach Dir den Dirt Untertan.“

Na ja …

Was glaubst Du?

Hat mich das angesprochen?

Tatsächlich gab es auch eine Beschreibung mit „Girlpower“. 

Ich fand beide Anzeigen richtig Sch**ße.

Nun sind beide Anzeigen nicht gegendert, sondern klar auf ein Geschlecht ausgerichtet.

Das kann man machen.

Auch als Expert:in und auch als Unternehmen.

Es gibt Angebote nur für Frauen.

Es gibt Angebote nur für Männer.

Für Menschen dazwischen eher weniger, aber die gibt es auch.

Was aber, wenn ich mich an alle richten will?

Was dann?

Klar taugt mein Fahrradbeispiel dafür nicht.

Keine Frage.

Lass mich Dir ein Rätsel aufgeben:

random tuesday a little bit of a mystery

Ein Vater fährt mit seinem Sohn im Auto eine einsame Straße entlang.

Sie haben einen furchtbaren Autounfall.

Der Vater ist sofort tot.

Der Sohn wird mit dem Helikopter direkt von der Unfallstelle in eine Spezialklinik geflogen und in den OP gebracht.

Der diensthabende Arzt schaut untersucht den Jungen und meint, man müsse eine Koryphäe zurate ziehen.

Die Koryphäe kommt, sieht den Jungen und sagt: 

„Ich kann ihn nicht operieren. Das ist mein Sohn.“

Wie ist das möglich?

Der Vater ist doch bei dem Unfall gestorben …

Wie ist das Problem lösbar und mit einem einzigen Satz begründbar?

Wenn Du eine Lösung hast, dann begründe sie mit einem einzigen Satz.

Wenn nicht, dann antworte mit „Nein“.

Denk noch einen Moment nach …

Die Lösung: Die Koryphäe ist die Mutter des Kindes.

Obwohl der Text neutral geschrieben ist, kommen uns Stereotype in die Quere.

Das ist der Grund, warum wir zumindest im ersten Moment verwirrt sind.

Wenn wir auf die Antwort kommen, dann erfordert es eine gewisse Denkleistung.

Die Antwort ist nicht selbstverständlich.

Das Rätsel ist Teil einer Studie der Psychologischen Fakultät der Universität Wien.

Die Studie ist öffentlich einsehbar: Hier gehts zur Studie

Jetzt kann man natürlich anmerken, dass das Rätsel nix mit genderneutraler Sprache zu tun hat.

Stimmt.

Aber das war ja auch nicht der ganze Studienaufbau.

Die Psycholog:innen haben den Proband:innen vorher Texte zu lesen gegeben.

Den Effekt, den diese Texte auslösen, nennt man Priming.

Priming ist ein Beeinflussungseffekt, der in psychologischen Studien und übrigens auch in der Rhetorik gern verwendet wird.

Man beeinflusst Menschen durch eine gewisse Wortwahl oder ein gewisses Verhalten, im Vorfeld, um später eine gewünschte Entscheidung zu erhalten.

Man spricht auch von „bahnenden Reizen“ (Wikipedia)

In unserer Studie wurden den Proband:innen vor dem Rätsel Texte zum Lesen gegeben.

Eine Gruppe erhielt Texte, die im generischen Maskulinum verfasst wurden, die andere Gruppe erhielt Texte, die gegendert wurden.

Zum Vergleich:

In der Gruppe mit dem generischen Maskulinum konnten 33 % das Rätsel lösen.

In der Gruppe mit den gegenderten Texten konnten 44 % das Rätsel lösen.

Die Conclusio der Wissenschaftler:innen ist, dass schon ein kurzer gegenderter Text stereotype Denkweisen aufbrechen kann.

Ja, Frauen und andere Personen sind im generischen Maskulinum mit gemeint.

Sie werden oft aber nicht mit gedacht.

Auch das haben Studien gezeigt.

Fragt man Menschen nach berühmten Musikern oder Schriftstellern, werden mehr Männer genannt, als wenn nach Musikern und Musikerinnen oder nach Musiker:innen gefragt wird.

Hier gehts zur Studie: KLICK

Tatsächlich ist mir genau das vor Kurzem im Podcast „Gemischtes Hack“ aufgefallen (Folge 235 „Büffelschmitt“)

Felix Lobrecht und Tommi Schmitt sprechen darüber, dass es ja keine deutschen Weltstars gibt, die auch in Amerika punkten.

Sie nennen Österreicher, die zu diesem Zweck „eingemeindet“ werden, wie Walz und Schwarzenegger.

Aber Deutsche fallen ihnen nicht ein.

Dabei sitze ich im Wohnzimmer und brülle: „Heidi Klum, Diane Kruger, Marianne Segebrecht … Okay, die ist vielleicht nicht Euer Jahrgang …“

Man kann den beiden bestimmt viel vorwerfen.

Sexismus gehört sicher nicht dazu.

Warum sind ihnen aber keine Frauen eingefallen?

Damit ich mich nicht in den ganzen Gendereffekten verliere:

Noch mehr Effekte, die Gendern hat, sowohl positive als auch negative findest Du hier: https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/was-gendern-bringt-und-was-nicht/

Und hier: https://www.geo.de/magazine/geo-magazin/pro–und-contra-liste-was-spricht-fuer-und-gegen-das-gendern–30675936.html

Jetzt aber zur Relevanz für Deine Positionierung bzw. für Dein Marketing.

Relevanz von Gendern im Content Marketing

Zunächst mal ist Gendern eine Entscheidung.

Überzeugen mich die Argumente dafür?

Oder überzeugen mich die Argumente dagegen?

Und vor allem: Wie sieht es mit dem Effekt aus, den Gendern auf meinen öffentlichen Auftritt, auf meine Positionierung und am Ende auch auf meinen Umsatz hat.

Oder auf meine Wählerschaft …

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Man kann polemisieren (übrigens auf beiden Seiten). Muss man aber nicht.

Grundsätzlich ist „Geschlecht“ ein grundlegender Aspekt der menschlichen Identität und der Art und Weise, wie wir denken.

Vermutlich ist es aus diesem Grund auch für manche Menschen schwierig zu akzeptieren, dass es Geschlechtsneutralität gibt.

Tiefer in die psychologischen Hintergründe einzutauchen, würde hier den Rahmen definitiv sprengen.

Für unsere Betrachtung reicht es zu notieren, dass es verschiedene Identitäten gibt und dass diese verschiedenen Menschen Angst machen können.

Weil Geschlechteridentität aber gesellschaftlich einen großen Teil unserer Identität prägt, prägt sie natürlich auch unser Kaufverhalten, unsere Markenloyalität und unsere Identifikation mit einer Marke.

Klischeehafter Auftritt und mindestens eine ungeschickte Ansprache können Kund:innen nicht nur verärgern, sonder auch vergraulen.

Jetzt ist aber die Preisfrage: Welche Kund:innen verärgert es, wenn ich genderten Content erstelle? Und wenn ja, wie viele?

Verliere ich Kund:innen durchs Gendern?

Kurz und knapp: Ich weiß es nicht, aber es nicht unwahrscheinlich.

Warum denn so wage?

Weil ich es tatsächlich nicht weiß.

Was ich weiß, ist, dass die Angst bei vielen Expert:innen, Soloselbstständigen und kleinen Unternehmen riesig ist.

Sie würden genderten Content erstellen, trauen sich aber nicht.

Das kann ich sehr gut verstehen.

Ich habe auch eine Weile gebraucht, bis ich mich getraut und meine sprachlichen Ressentiments überwunden hatte.

Übrigens eines der häufigsten Argumente gegen das Gendern: Die Schönheit der Sprache geht verloren. 

Ich könnte jetzt einen Abstecher ins 18 Jahrhundert machen.

Da hat nämlich schon der Schriftsteller Johann Christoph Gottsched (1748) in seinem Buch „Grundlegung der deutschen Sprachkunst“ geschrieben:

Man solle immer dann Bezeichnungen wie “Oberstinn”, “Hauptmännin” oder “Doctorin” nutzen, wenn Frauen diese Funktion ausüben.

Ja, ja, da gab es noch kein Gendersternchen und keine Binnenmajuskel, aber zu der Zeit war Genderneutralität eben noch kein Thema.

Wir schweifen ab.

Verliert man Kund:innen durchs Gendern. 

Vermutlich.

Das ist aber gar nicht die Frage.

Die Frage ist doch: Gewinne ich genügend und mehr dazu …

Wir sind so auf die negativen Effekte fokussiert, dass wir nicht einen einzigen Gedanken auf die positiven verschwenden.

Angst frist Ratio …

Dazu machen wir einen Abstecher in die Positionierung.

Download Zielgruppenanalyse

Mit Gendern die eigene Nische definieren.

Warum reiten eigentlich alle Marketingfuzzis immer auf diesen Nischen rum.

Ich muss gestehen: Mir war das lange Zeit auch nicht klar.

Bis ich mich irgendwann immer spitzer positioniert habe, also meine Nische gefunden habe und alles immer leichter und klarer wurde.

Und genau dabei hilft Gendern.

Schauen wir uns das Ganze mal genauer an:

# 1 Gendern reduziert die Konkurrenz

Je kleiner die Nische, umso weniger Mitbewerber:innen konkurrieren um die Kund:innen.

Wer das generische Maskulinum nutzt, ist auf einem viel größeren Markt unterwegs. Mal darüber nachgedacht?

# 2 Klare Zielgruppenfokussierung

Dazu kommen wir gleich noch intensiver.

Hier sei so viel dazu gesagt, dass Gendern einen klaren Fokus auf einer bestimmten Zielgruppe setzt.

Wenn Du jetzt denkst, das wäre ausschließlich die LGBTQ+ Community, liegst Du falsch.

Wie gesagt: dazu gleich mehr.

#3 Bessere Bindung Deiner Kund:innen

Je spezifischer Deine Nische, umso loyaler die Kund:innen.

Eine verschworene Community aufzubauen, ist das A und O für Soloselbstständige und kleine Unternehmen.

Das funktioniert am besten durch gemeinsame Werte.

Gendern ist so ein Wert, den eine Community teilen kann.

Je mehr Werte eine Community teilt, umso loyaler ist sie.

# 4 Gendern schafft Markenidentität

Wer gendert, hat schon einen Teil der Markenidentität geschaffen, ohne großen Aufwand. Wenn Du nicht genderst, ist der Aufwand höher.

# 5 Differenzierung vom Wettbewerb

Gendern fällt immer noch auf.

Verrückt oder?

Dabei gendern fast alle großen Medien und Medienanstalten in Deutschland.

Trotzdem kann man sich durchs Gendern immer noch hervorragend vom Wettbewerb differenzieren.

Wenn Du beispielsweise für ehrliches Marketing und ehrlichen Verkauf stehst, unterstützt Gendern diese Botschaft.

Die Haudruffies im Vertrieb gendern eher selten.

Du merkst: Gendern oder eben auch nicht, steckt Deine Nische ab. Oder eben auch nicht.

Jetzt aber zur Preisfrage: 

Welche potenziellen Kund:innen bleiben am Ende weg und welche kommen dazu?

Gendern im Marketing Zeichen

Zielgruppensegmentierung durchs Gendern

Natürlich gibt es Menschen, die negativ auf Gendern reagieren.

Das geht so weit, dass mir Menschen mitteilen, sie würden deswegen auf keinen Fall bei mir kaufen.

Gendern scheint also ein Ausschlusskriterium zu sein.

Wie gesagt: Scheint!

Wenn Gendern ein Ausschlusskriterium wäre, würde das bedeuten, dass diese Menschen auf jeden Fall bei mir gekauft hätten.

Ich sag mal so: I seriously doubt that!

Das glaube ich nicht.

Denn: Die Zielgruppensegmentierung setzt in diesem Fall schon beim ersten Kontakt mit meinem Content ein.

Da ein Kauf nach dem ersten Kontakt so gut wie nie vorkommt, kann also erst mal keine valide Aussage zu „Kund:innenverlust durch Gendern“ getroffen werden.

Nachrichten wie „Schade, ohne das elende Gegendere hätte ich sicher gekauft“ haben in der Regel keinen realistischen Aussagewert.

Es geht viel mehr darum, mich zu verunsichern.

Oder glaubst Du, wenn ich zurückschreiben würde „Oh Mann, das tut mir leid. Ich höre sofort auf zu gendern“, dann würden diese Menschen kaufen?

Und wieder: I seriously doubt that.

Das glaube ich nicht.

Abgesehen davon fand in diesem Moment schon eine erste Wunschkund:innenselektion statt.

Menschen, die in einem solchen Ton mit mir in Kontakt treten, gehören nicht wirklich zu meinen Wunschkund:innen.

Schauen wir uns, eine detaillierte Zielgruppenanalyse vorausgesetzt, einmal an, welche potenziellen Kund:innen vom Gendern abgeschreckt werden könnten:

Menschen, die Gendern ablehnen und wegbleiben könnten

Konservative Menschen:

Menschen mit konservativen Werthaltungen könnten sich vom Gendern irritiert oder sogar abgestoßen fühlen.

Stichwort: Gender-Gaga oder Wokebubble.

Achtung: Das bedeutet nicht, dass alle Menschen mit konservativen Werten so sind. 

nope nope nope

Ältere Generationen:

Ältere Konsument:innen sind in der Regel weniger offen für moderne Entwicklungen in der Sprache und im Marketing.

Lustig: Ich bin 53 Jahre alt.

Ab wann ist man eigentlich der älteren Generation zugehörig?

Nichtsdestotrotz zeigen Erhebungen, dass größere Teile der älteren Generationen eher so denken.

Menschen aus kulturell konservativen Umfeldern:

In kulturell konservativen Gesellschaften oder Gemeinschaften kann Gendern im Marketing als unangemessen oder störend empfunden werden.

Virulent wird das vor allem bei Unternehmen, die international agieren.

Aber auch wenn Du „nur“ im deutschen Sprachraum unterwegs bist, sind eine Erwägung und ein Abgleich mit Deinen Wunschkund:innen auf jeden Fall sinnig.

Menschen, die gendern und/oder es gutheißen

Menschen, die großen Wert auf soziale Gerechtigkeit legen:

Viele Menschen schätzen, wenn man sich für soziale Gerechtigkeit und Geschlechtervielfalt engagiert.

Geschlechtergerechtes Marketing wird von dieser Gruppe in der Regel sehr positiv aufgenommen, da es zeigt, dass Du Stellung beziehst und Deine Werte nach außen trägst.

Jüngere Generationen:

Jüngere Konsument:innen, insbesondere die sogenannten Millennials und die Generation Z, sind sensibel für Geschlechterfragen.

Für meinen Sohn (Jahrgang 2004) stellte sich die Frage beispielsweise überhaupt nicht.

Natürlich gendert er.

Menschen wie er schätzen Marken, die sich für Diversität und Inklusion einsetzen.

yes sweet

Angehörige der LGBTQ+-Community:

Menschen aus der LGBTQ+-Community fühlen sich häufig eher angesprochen, wenn gegendert wird.

Wer gendert, wird in dieser Gruppe als aufgeschlossener wahrgenommen.

Du merkst: Eine differenzierte Zielgruppenanalyse ist der Dreh- und Angelpunkt für Deine Entscheidung.

Wenn Du ein Angebot, ein Produkt hast, dass ausschließlich für eine eher konservative Zielgruppe gestrickt ist, dann würde ich Dir vermutlich vom Gendern abraten.

Das wäre dann im Einzelfall ganz genau zu betrachten.

Es ist aber ziemlich wahrscheinlich, dass, wenn Du so ein Angebot hast, Du gar nicht zu mir in die Beratung kommen würdest.

Das ist weder gut noch schlecht.

Das ist halt einfach so.

Ich bin halt nicht wertkonservativ.

Wer einen Artikel für Führungskräfte schreibt, der „Die Kunst, kein Arschloch zu sein“ schreibt und am Ende sogar ein Buch daraus macht, wird wohl auch nicht als wertkonservativ wahrgenommen 😉

Für Dein Content Marketing ist es von zentraler Bedeutung zu verstehen, dass Gendern sowohl eine wertebasierte als auch eine zielgruppenanalytische Entscheidung ist.

Nächste Preisfrage: Wie mache ich das denn jetzt?

Download Zielgruppenanalyse

5 gute Möglichkeiten zu gendern.

Hier kommen 5 Beispiele, wie Du „Kunde“ gendern kannst.

Das Schöne daran: Es gibt (noch) kein richtig und kein falsch.

# 1 Nennung aller Geschlechter

Sehr geehrte Kundinnen, Kunden und alle dazwischen und drum herum.

Wenn Du nur „Sehr geehrte Kundinnen und Kunden“ schreibst, schließt Du Nonbinäre aus. 

# 2 Direkte Anrede

Das ist auf den ersten Blick am einfachsten. Aber dann auch wieder nicht … Sehr geehrte Frau X oder Hallo Herr y ist so weit klar und dann?

Erste Möglichkeit: Fragen. Wenn Du weißt, dass die Person nonbinär ist, frag einfach nach, wie sie angesprochen werden möchte.

Zweite Möglichkeit „Sehr geehrt* Vorname, Nachname“

Dritte Möglichkeit, die Norddeutsche Variante: Moin Vorname 😉

Nordisch geht immer. 

Funktioniert natürlich auch mit: Hallo Vorname.

# 3 Ansprache in der Gruppe in Relativform

Alle, die am Samstag dabei sind …

Alle, die folgenden Vertrag abgeschlossen haben …

# 4 Geschlechtsneutral

Anstatt „Kund:innen“ benutzt Du „Kundschaft“.

Anstatt „Student:innen“ benutzt Du „Studierende“.

# 5 Sonderzeichen

Hier kommt es: das viel diskutierte Gendersternchen!

Kund*innen, Kund:innen, Kund_innen

Fazit: Gendern im Content Marketing

Ja, es ist eine schwere Entscheidung.

Ja, Du wirst Kund:innen verlieren.

Ja, Du wirst neue Kund:innen gewinnen.

Nein, es gibt keine Garantien.

Ich kann Dir nur mitgeben, warum ich mich für das Gendern entschieden habe.

Mich haben einige der verlinkten Studien überzeugt.

Am Anfang habe ich die sprachliche Umstellung auch als sehr schmerzhaft empfunden.

Aber ist nicht alles Neue am Anfang schwer?

Und natürlich ist Sprache auch ein Teil unserer Identität.

Auch diese wird mit einer sprachlichen Umstellung in Frage, zumindest aber mal auf den Prüfstand gestellt.

Das ist unangenehm.

Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht.

Eines würde ich mir allgemein wünschen: 

Toleranz auf allen Seiten.

Die, die gendern lassen die, die nicht gendern in Ruhe und umgekehrt.

Und dann schauen wir mal, wohin die Reise geht.

Übrigens freue ich mich wie ein Schnitzel, wenn Du den Beitrag in Deiner Social Media Community teilst. 

Es wäre mir ein Fest, eine respektvolle Diskussion anzustoßen.

Übrigens auch ein guter Test, wie Deine Community aufs Gendern reagiert 😉

Im Zweifel kannst Du das Ganze ja auch wieder löschen.

Weiterführende Artikel:

Zielgruppenanalyse

Content erstellen

SEO Regeln

Download Zielgruppenanalyse

4 Kommentare

  1. Mega guter Artikel.

    Habs gerne gelesen, erspart mir viel Recherche und ich kann es super gut auch für meine Kund:innen nutzen.

    Deshalb fettes DANKESCHÖN an dich, dass du dieses Thema so schön seziert hast.

    Antworten
    • Vielen Dank für das schöne Lob. Wenn Du den Artikel in Deinem Netzwerk teilen magst freue ich mich doppelt 😉

      Antworten
  2. Moin, Anja,

    muss ich als Autor nun auch rückwirkend meine Bücher und Geschichten umschreiben? Wie Karl May seine Winnetou-Reihe? Oder reicht meine Autorenhomepage? Dort spreche ich „Leserinnen und Leser“ an – muss ich nun schreiben „Liebe Leserinnen, Leser, Doppelpunkte und Sprechpausen“, um Non-Binäre mitzunehmen?

    Romane und Geschichten handeln zumeist von Personen, die eindeutig definiert sind, auch wenn gern LGBTQ+ darunter sein mögen. Die alle sind zwar mein Produkt und nicht meine Zielgruppe, aber die Zielgruppe findet dorthin über den Klappentext.

    Auf Instagram fragte neulich ein Autor nach geschlechterneutralen Pronomen, und ich habe mich nur gefragt „Hakt’s da?“ Meinen Kommentar habe ich dann doch nicht abgeschickt.

    Unsere Sprache ist schon komplex und kompliziert genug – u.a. durch die NDR, die neue deutsche Rechtschreibung. Kaum einer aus der von Dir angesprochenen Milleniumgernation (oder später) beherrscht noch die Rechtschreibung und Grammatik – und da sollen wir sie künstlich weiter verkomplizieren? Nein danke, kann ich da als Autor nur sagen. Zu meinem Glück betrachte ich Werbetexte nicht als Literatur, den Lesefluss stören die Doppelpunkte, Unterstriche oder Sternchen jedenfalls mehr als ein „meine Damen und Herren“ (oder die Kunstpause den Hörgenuss beim gesprochenen Gendern). Außerdem sollten wir uns erst einmal auf die Grundregeln besinnen. Es ist wie bei Justiz und Strafverfolgung: Da wird nach schärferen Gesetzen geschrien, anstatt die vorhandenen ausreichend umzusetzen. Die Sprachpolizei ruft nach Genderbegriffen, anstatt – und da sind die Genderer fleißig mit dabei – die Sprache erst einmal richtig anzuwenden. Das schönste Beispiel für mich ist immer noch „Das ist ein hübschen Mädchen. Sie hat so wunderschöne blaue Augen.“ Hallo?

    Außerdem ist Sprache auch ein Ausdruck der Höflichkeit (oder der Unhöflichkeit). Wir haben uns das „meine Damen und Herren“ angewöhnt. So wünsche ich mir – bislang vergeblich – durch Rednerinnen die Anrede „meine Herren und Damen“. Aber der Esel nennt sich ja selbst immer zuerst.

    Und so halte ich es gern mit dem Amtsdeutsch – Verzeihung: mit dem Amtsenglisch – des britischen öffentlichen Dienstes „Male embraces female.“ Frei übersetzt: Der Mann umarmt die Frau. Dann ist doch gendermäßig wieder alles in Ordnung – oder?

    Herzliche Grüß*Innen
    Michael Kothe, Autor

    Antworten
    • Moin Michael,

      erstmal vielen Dank für Deine Rückmeldung. Allerdings bin ich nicht sicher, ob sie zum Thema passt. Ob man Bücher rückwirkend verändern sollte, ist hier ja gar nicht das Thema. Und auch das Thema „Romane schreiben“ habe ich nicht besprochen. Dazu kenne ich mich einfach zu wenig aus.

      Und es geht auch nicht um schärfere Gesetze.

      Eine Frage habe ich aber: Wenn Sprache ein Ausdruck der Höflichkeit ist, ist es dann nicht unhöflich bestimmte Gruppen auszuschließen? Oder ist es ein Akt der gezielten Unhöflichkeit?

      Mit den Grüß*innen kann ich gar nix anfangen, denn es geht ja darum, tolerant zu bleiben.

      Antworten

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