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Sachbuchautor*in werden – In 10 Schritten zum ersten Sachbuch

Sachbuchautor*in werden – In 10 Schritten zum ersten Sachbuch

Okay, eines gleich vorweg: So ein Blogartikel reicht ggf. Nicht aus, um Dich durch den gesamten Schreibprozess eines Sachbuches zu führen. Aber er gibt Dir einen guten Überblick darüber, was Dich erwartet und wie Du grundsätzlich vorgehen kannst.

Da ich ziemlich oft gefragt werde, wie man eigentlich Bücher schreibt und viele der Fragenden nicht gleich einen ganzen Onlinekurs machen oder mein Buch „Von der Idee zum Sachbuch“ lesen wollen, hier einmal die Kurzfassung.

1. Schritt: Kläre Dein „Warum“?

Das klingt vielleicht etwas esoterisch, ist im Grunde aber eine ganz handfeste Hilfe im späteren Schreibprozess. In Momenten, in den man uninspiriert, lustlos oder sogar völlig blockiert ist, hilft es ungemein, sich wieder in Erinnerung zu rufen, warum man eigentlich schreibt. Genau dieses „Warum“ trägt einen häufig durch die Schreibarbeit. Denn, machen wir uns nichts vor, Schreiben ist in weiten Teilen einfach nur Arbeit. Ich persönlich habe unterschiedliche „Warum“s 😉 Bei meinen Büchern über Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung treibt mich der Gedanke, dass es Menschen für sich selbst und miteinander viel besser gehen würde, wenn sie wüssten, wie unsere Psyche, unser Hirn tatsächlich funktioniert. Im Bereich des Schreibens ist mein „Warum“, dass es schlicht und ergreifend nicht genug gute Bücher geben kann. Dieses „Warum“ hat es auch gerade geschafft, dass ich mit an mein Laptop gesetzt habe, um diesen Artikel zu schreiben. Lust hatte ich nämlich gerade nicht wirklich 😉

2. Schritt: Expertise, Herzensthema oder beides?

Kläre vorher genau, worüber Du schreiben willst. Ist es Dein Herzensthema oder Deine Expertise? Da gibt es einen Unterschied. Herzensthemen entstehen häufig aus der persönlichen Erfahrung heraus. Viele Erstautor*innen tappen dann in die Falle, ihre Erfahrungen anderen Betroffenen überstülpen zu wollen. Das funktioniert in der Regel nicht und wird oft schon von Verlagen direkt abgelehnt. Daher ist es wichtig, sich einmal klar zu machen, dass andere Menschen vielleicht andere Erfahrungen haben und diesen Punkt ins Schreiben einzubeziehen. Dann wird wieder ein Buchschuh draus, denn es lässt Raum für andere Erfahrungen. Gute Sachbücher machen den Standpunkt der Autor*innen klar und versuchen nicht, allgemein gültige Tatsachen zu schildern. Damit ist wohl auch deutlich, dass Du, wenn Du über Dein Herzensthema schreibst, ggf. Mehr Recherchezeit einplanen musst.

3. Schritt: Zielgruppenanalyse

Ein Schritt, dem die meisten Erstautor*innen zu wenig Beachtung schenken. Die Frage „Für wen schreibe ich eigentlich?“ Können anfangs wenige Autor*innen beantworten. Sie gehen davon aus, wenn sie sich für das Thema interessieren, wird es schon genügend Menschen geben, die sich auch dafür interessieren. Grundsätzlich ist der Gedanke auch richtig, aber wieviele Menschen die genauso sind wie man selbst, kennen wir denn? Ähnlich, ja, aber genauso? Und das ist das Problem, wenn wir unsere Idee einem Verlag verkaufen wollen: Wir selbst und Menschen die genauso sind wie wir, reichen als Zielgruppe einfach nicht aus! Ich kann beispielsweise stundenlang über die Fehlerhaftigkeit unseres Gehirns schwadronieren. Meinen Freundeskreis langweilt das nach spätestens 10 Minuten. Kaum jemand würde die Bücher lesen, die ich zu diesem Thema spannend finde. Jetzt ist die Preisfrage: Wer findet diese Bücher spannend? Wenn es mein Freundeskreis nicht ist, wer denn dann? Und damit wir uns beim Schreiben später nicht im Ton vergreifen, müssen wir wissen, für wen wir schreiben. Sonst schreiben wir an unseren Lesern vorbei und das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

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4. Schritt: Marktanalyse

Spätestens im Exposé für den Verlag, will der Verlag wissen, was sich sonst noch so auf dem Markt zu Deinem Thema tummelt. Ich dachte zuerst auch, dass das ja wohl der Verlag macht. Stimmt auch, allerdings erst, im weiteren Entscheidungsprozess. Exposés ohne Marktanalyse fliegen schon beim ersten Vorsortieren ziemlich schnell raus, denn zu diesem Zeitpunkt lohnt sich diese Arbeit auf Verlagsseite noch nicht. Darüber hinaus solltest Du wissen, welches die Platzhirsche auf Deinem Themengebiet sind. Wäre ja blöd, wenn Du zufällig das gleiche Buch schreibst wie Richard David Precht. Dann kannst Du mal davon ausgehen, dass Dein Buch es eher nicht in den Druck schafft. 

Allerdings geht es nicht um Einzigartigkeit! Es geht darum nicht zu ähnlich zu sein. Trotzdem kannst Du natürlich ein Buch über Philosophie oder künstliche Intelligenz schreiben. Es sollte nur einen eigenen Stil haben. Mein Lieblingsbild dazu: VW hört ja auch nicht auf Elektroautos zu entwickeln und zu bauen, nur, weil Tesla das auch tut. Und genau das ist der Punkt: Der Zwang zur Einzigartigkeit ist Bullshit! Trotzdem solltest Du den Markt kennen und wissen, was Deine Themenumsetzung von anderen Autor*innen unterscheidet. Damit punktest Du im Exposé auf jeden Fall.

5. Schritt: Was ist das Ziel des Buches?

In der Didaktik formuliert man für jede Lerneinheit ein klares Ziel. Dabei wird zwischen „Kennen“ und „Können“ unterschieden. Klar, denn es ist ja ein Unterschied, ob ich die theoretischen Kenntnisse für das Fahrradfahren kenne, oder ob ich tatsächlich Fahrrad fahren kann. Noch klarer wird es beim Auto fahren. Grundsätzlich kann man alles beschreiben und erklären. Aber alle, die sich an ihre erste Fahrstunde erinnern wissen, dass zwischen Theorie und Praxis ein ziemlicher Unterschied besteht. Daher ist es wichtig, vor dem Schreiben für sich zu klären, was die Leser*innen nach der Lektüre kennen bzw. können sollen. Wenn Du Dich für „Können“ entscheidest, sind vermutlich Übungsbeispiele sinnvoll. Beim „Kennen“ eher die Herleitungen. Dieser Artikel hat übrigens das Ziel „Kennen“. Aus dem einfachen Grund, dass „Können“ den Rahmen eines Artikels deutlich sprengen würde. Fürs „Können“ ist dann mein Buch „Von der Idee zum Sachbuch“ ideal. Hier kannst Du Dir übrigens das Kapitel „Schreibroutinen“ kostenlos runterladen.

6. Schritt: Struktur erstellen

Vor der Struktur gehen viele Anfänger in die Knie, denn sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Das kann ich gut nachvollziehen, denn oft überlege ich mir eine Struktur und merke, dass ein Kapitel an verschiedenen Stellen sinnvoll wäre. Und so ist es auch. Das einzige was dann hilft ist, eine Entscheidung zu treffen. Das ist nicht leicht, denn wir – ich schließe mich da mit ein – haben natürlich Angst, einen Fehler zu machen. Unser Werk könnte ja dadurch unverständlich, unlogisch oder unstrukturiert wirken … Ja, das kann alles passieren und es werden auch zwei bis drei Leser*innen um die Ecke biegen, die uns genau das vorhalten werden, aber wenn wir einmal in uns gehen und uns für die Stelle im Buch entscheiden, gegen die am wenigsten spricht, sind wir in der Regel auf der sicheren Seite. Abgesehen davon kann man in einem Sachbuch ja diese tollen Querverweise nutzen, die später die Lektor*innen wahnsinnig machen 😉

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7. Schritt: das Vermarktungskonzept 

Das was? Ja, das Vermarktungskonzept. Ich weiß, das haben viele Autor*innen am Anfang nicht auf dem Schirm. Gehört aber auch in ein gutes Sachbuchexposé. Denn damit hat der Verlag schon mal ein paar Anhaltspunkte, wo die Reise mit diesem Buch hingehen kann. Hier schließt sich auch der Kreis zur Zielgruppendefinition, denn in ein Vermarktungskonzept gehört auch die Argumentation, warum die Zielgruppe das Buch kaufen sollte bzw. will. Wer vorher das Ziel des Buches auch schon ausgearbeitet hat, hat hier nicht mehr viel Arbeit. Darüber hinaus ist die Frage, wo erreicht man denn die Zielgruppe, um auf das Buch aufmerksam zu machen? Je nach Alter und Bildungsstand macht beispielsweise Social Media Sinn oder eben auch nicht. Oder bestimmte Social Media Bereiche machen Sinn oder auch nicht. Beispielsweise macht es wenig Sinn für eine Altersgruppe große Marketinganstrengungen auf TikTok zu legen. Es sei denn, die Zielgruppe gehört in der Altersklasse zu den First Movern auf Social Media … Wenn Deine Zielgruppe aber unter 30 ist, dann ist TikTok eine Plattform, über die man nachdenken kann. 

Darüber hinaus wollen Verlage wissen, wieviel Du selbst zur Vermarktung beitragen kannst bzw. willst. Hast Du schon Pressekontakte? Hast Du einen gut laufenden Blog? Bist Du auf Social Media präsent? Wenn nicht, würdest Du Dir eine Präsenz für die Vermarktung aufbauen wollen und und und 

8. Schritt: Exposé und Probekapitel

Die meisten Erstautor*innen machen den Fehler, gleich ein ganzes Manuskript fertig zu stellen und dies dann, ggf. Mit Exposéinformationen an einen Verlag zu schicken!

STOPP! Mach das nicht!!!

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Kurzer Exkurs: In Deutschland werden pro Jahr rund 70.000 Bücher verlegt! Das sind die, die es durch den Auswahlprozess geschafft haben! Das heißt, in den Verlagen kommen täglich körbeweise Manuskripte und Exposés an. Vor kurzem habe ich meinen Lektor, den Programmleiter Sachbuch beim Droemer Knaur Verlag, Florian Fischer im Podcastinterview gefragt, wieviel da denn genau ankäme. Er konnte es nicht sagen. Er wusste nur: Es ist wahnsinnig viel >>>Hier geht’s zum Podcastinterview<<< Was er aber wusste ist: Bei der Masse hat niemand Zeit, Manuskripte zu lesen! Manuskripte fallen schon aus diesem Grund viel schneller durchs Raster.

Hier kommt noch ein weiterer Grund: Wenn Dein Exposé Anklang findet, dann bekommst Du ein bis drei Profis vom Verlag zur Seite gestellt, die mit Dir noch einmal Idee und Aufbau durchgehen und verbessern. Es ist emotional nicht halb so schmerzhaft eine Struktur und eine Idee zu überarbeiten, wie ein ganzes Buch, in dem schon Dein gesammeltes Herzblut steckt. 

Zum Schluss noch ein Wort zum Probekapitel: Schreibe ein Probekapitel, welches Idee und Tonalität Deines Buches gut illustriert. Bitte nicht das Vor- oder das Nachwort. Das wird nicht gern gesehen, da sie in der Regel keinen guten Eindruck vom tatsächlichen Inhalt geben.

9. Schritt: beim Verlag einreichen

Erst einmal ist es wichtig, dass Du Dir vorab mindestens 20 Verlage raussuchst, die thematisch auch Bücher wie Deines veröffentlichen. Es macht keinen Sinn, ein Buch über Kindererziehung bei einem auf Natur- und Gartenarbeit spezialisierten Verlag zu platzieren. Vielleicht hast Du auch ein Buch über Haarausfall bei Regenwürmern geschrieben. Dann bist Du im Springer Gabler Verlag, der sich auf Bücher rund um das Thema „Arbeit“ spezialisiert hat, garantiert falsch. Ich glaube Du merkst, worauf ich hinaus will. Es braucht auch hier wieder ein wenig Recherche, um passende Verlage zu finden. 

Dabei ist auch wichtig zu schauen, ob die Verlage auf ihren Internetseiten Einreichungskriterien veröffentlicht haben. Viele Verlage haben sogar Musterexposés veröffentlicht, an die Du Dich natürlich halten solltest. Aber keine Sorge, es ist nicht so viel Arbeit, Dein Exposé schnell anzupassen. Darüber hinaus schreiben die Verlage auch dazu, wie die Einreichung erfolgen soll. Auch daran würde ich mich halten, denn dahinter hängt in der Regel der Verlagsinterne Auswahlprozess und alle, die durch die Seitentür rein wollen, werden gleich weiter in die Rundablage befördert.

Wenn alles glatt geht, wird Dir ein Vertrag angeboten. WICHTIG: Keinen Vertrag unterschreiben, bei dem Du für die Veröffentlichung bezahlen sollst! Das ist ein Geschäftsmodell, bei dem Du als Autor*in nur verlierst. Seriöse Angebote für Sachbücher reichen von einer Beteiligung am verkauften Buch ohne Schreibhonorar bis hin zu Honoraren inkl. Beteiligung am verkauften Buch. Das ist von Verlag zu Verlag unterschiedlich und hängt natürlich auch mit Deiner Stellung als Autor*in zusammen.

10. Schritt: Schreiben

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Das Schreiben an sich. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Unsinn über Schreibblockaden in die Welt gesetzt wird. Für den „Erfolgreich schreiben“ Podcast habe ich jetzt so viele Autor*innen der unterschiedlichsten Sparten und Genres interviewt und ich habe bisher noch nicht einmal gehört, dass jemand gesagt hätte, dass eine Schreibblockade der Tod eines Buches war. Natürlich fällt einem manchmal nichts ein, aber das gibt es in jedem Job, der ein wenig Hirnschmalz benötigt. Und wie in jedem anderen Job auch, gibt’s dann die Heureka-Idee, wenn man am wenigsten dran denkt. 

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Wichtig ist vor allem, dass Du schon beim Schreiben des Probekapitels einmal schaust, wie lange Du für eine Manuskriptseite benötigst. Dann kannst Du das auf eine Normseite umrechnen, überlegen, wieviele Normseiten Dein Buch haben soll und dann rechnest Du ganz einfach hoch. Und schon weißt Du, wieviel reine Schreibzeit Du für Dein Buch ansetzen musst. Wie Du diese dann auf Deine Woche verteilst, kann ich Dir nicht sagen. Ich kenne Deinen Tagesablauf ja nicht. Ich bin mir aber sicher, dass Du mit diesem Daumenwert eine ziemlich gute Idee hast, wie Du Dir Deine Schreibzeit einteilen kannst. 

Übrigens, hier kannst Du Dir das kostenlose Probekapitel aus „Von der Idee zum Sachbuch“ über Schreibroutinen runterladen.

Viel Spaß beim Schreiben!

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