Schreiben lernen durch Nachmachen

Schreiben lernen durch Nachmachen

14. Februar 2021

Lieber gut nachgemacht, als schlecht selbst gemacht …

Na klar ist die Überschrift reisserisch. Und wir alle finden Nachmacher doch im Grunde doof. Schon als Kind wussten wir „Nachmacher X, der kann doch nix“ … Allerdings war das nicht der klügste Spruch, den wir da aufgesagt haben. Im Gegenteil: Nachmachen ist die Mutter des Lernens, nicht nur im Kindesalter.

Nachmachen hat keinen guten Ruf. Warum eigentlich nicht? Naja, weil es schnell mit Ideenklau und schlechter billig Importware aus China in Verbindung gebracht wird. Allerdings bringt uns das Verurteilen in der Regel keinen Deut weiter. Natürlich ist Ideenklau nicht schön. Darum soll es hier aber nicht gehen, hier soll es darum gehen, durch Nachahmung zu lernen. Und das haben die Chinesen tatsächlich zur Perfektion erhoben. Denn die Chinesen schnappen sich alles, was in irgendeiner Form erfolgreich ist, analysieren es – egal ob handfestes Produkt oder Methode – und kopieren es entweder eins zu eins oder modifizieren es für ihre Zwecke.

Im Prinzip machen sie nichts anderes als Lernen. Denn genauso funktioniert es. Sogar unsere haarige Verwandtschaft geht so vor. Forscher sind schon lange von diesem Phänomen fasziniert, wie wildlebende Affen sich Dinge voneinander abschauen und diese dann auch noch weiter entwickeln, so, dass für ihre Zwecke passt. Den meisten werden die putzigen Bilder von Naturforschern geläufig sein, bei denen ein Affe mit einem Stock Ameisen aus einem hohlen Baum fischt und dabei von einem Artgenossen interessiert beobachtet wird. Später schnappt sich genau dieser Artgenosse auch ein Stöckchen und angelt seinerseits nach Ameisen. Und genauso funktioniert’s: Gucken was funktioniert, ausprobieren, ggf. Adaptieren und dann selbst erfolgreich sein. Im Affenfall bedeutet dies eine eiweißreiche Mahlzeit genießen.

Nachahmen ist die Mutter des Lernens

Aber auch im sozialen Kontext ist Nachahmung das Mittel der Wahl. Dies zeigten schwedische Forscher der Universität Upsala mit einem Versuch mit Kleinkindern und einem Murmelspender. Die Kinder hatten den Mechanismus des Spenders bereits verstanden, waren aber bereit eine zusätzliche, überflüssige Handlung auch nachzuahmen. Die Forscher schlossen daraus, dass die Kinder die überflüssige Handlung als sozial wichtig einordnen und diese aus diesem Grund mit ausführen. Eine weitergehende Schlussfolgerung daraus ist, dass Menschen auch den Großteil ihres Sozialverhaltens nachahmen. Das ist keine neue Schlussfolgerung, eben einfach nur eine der neueren Forschungen zu diesem Sachverhalt.

Erstaunlicherweise verurteilen wir Menschen häufig die Nachmacher, obwohl das Verhalten in unserer Natur liegt und uns gute Dienste leistet. Um unser geistiges Eigentum und unsere Individualität besorgt, ist das zwar verständlich, aber klug ist es nicht. Ich habe mir zu Beginn meiner Selbstständigkeit immer wieder angeschaut, wie es denn die erfolgreichen Kolleg*innen machen, um beispielsweise ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. In einer dieser Möglichkeiten steckst Du gerade mittendrin: Blogartikel schreiben und veröffentlichen. Das habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Ich habe nur bei anderen gesehen, dass es funktioniert. Also habe ich diese Verhaltensweise für mich übernommen. Genauso habe ich es mit meinem Podcast gemacht. 

Wenn wir heute von Hacks sprechen, dann sprechen wir übrigens von nicht anderem: wir sprechen vom Nachmachen. Vom Nachmachen mit Rezept. Ein Backrezept ist auch nichts anderes als eine Anleitung zum Nachmachen. Das Ganze scheint also durchaus Sinn zu machen. Im NLP – in der Neurolinguistischen Programmierung – gibt es sogar einen schönen Fachbegriff, nämlich „Modelling of Excellence“. Da werden dann noch ein paar analytisch klingende Vorgehenshinweise aufgenommen und schon gibt es eine wunderbar wichtig erscheinende Methode für das alte Nachmachen.

Wissen ist nicht Können …

Erfolgreiches und sinnvolles Nachmachen lebt vor allem vom Trial and Error Prinzip. Nicht alles, was bei anderen funktioniert, macht auch bei mir selbst Sinn. Es muss natürlich zu den eigenen Fähigkeiten passen. Und genau da lauert auch eine der größten Stolperfallen: oft wird uns eine bestimmte Methode als das Nonplusultra angepriesen oder sie erscheint zumindest von außen so, weil der Anwender/Verkäufer damit auch so wahnsinnig viel Erfolg hatte. Das bedeutet nicht, dass es bei Dir genauso fantastisch funktioniert. Der Erfolgsfaktor beim Nachahmen ist das Ausprobieren. Erst wenn Du es ausprobiert hast, kannst Du entscheiden, ob die Methode etwas für Dich ist oder nicht. Etwas zu Wissen, heisst noch lange nicht zu wissen, wie es tatsächlich geht und ob es für Dich und Deine Ansprüche passt! Lernen ist nachahmen, ausprobieren, scheitern und anpassen, um dann wieder von vorn zu beginnen.

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Anja Niekerken

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