Schreibfehler: Warum wir sie übersehen und 3 Tipps, was Du dagegen tun kannst

Schreibfehler: Warum wir sie übersehen und 3 Tipps, was Du dagegen tun kannst

27. Februar 2022

Hast Du Dich auch schon mal über Deine eigenen Rechtschreibfehler gewundert, die Du einfach übersehen hast? Wie konnte das passieren? Dabei hast Du den Text doch fünf Mal durch gelesen und warst maximal akribisch? Manchmal kommt es sogar noch schlimmer und komplette Satzteile fehlen. Oder Du hast bereits ein Buch geschrieben und entdeckst bei der Vorbereitung für Deine erste Lesung mehrere Fehler. Wie peinlich …

Entspann Dich: Das ist völlig normal. Ich lehne mich mal ordentlich aus dem Fenster und behaupte: Es gibt kein fehlerfreies Buch. Egal wie professionell es gemacht ist und wie gut Lektorat und Korrektorat waren. Es werden immer ein paar Fehlerchen durchrutschen, denn unser Gehirn funktioniert leider nicht so, wie wir es gern hätten.


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Kein Buch ohne Schreibfehler

Ja, Du hast richtig gelesen: Kein Buch ohne Schreibfehler, denn es liegt an unserem Gehirn. Und zwar an verschiedenen Funktionen, die uns dazu bringen, Fehler zu übersehen. Jetzt könnte man meinen, dass das ja ziemlich blöd ist, aber das Gegenteil ist der Fall. Eine riesengroße Fehlerquelle ist eine unserer besten Hirnfunktionen: das Antizipieren. Wir bzw. unser Hirn denkt mit und voraus. Das heißt, dass wir beim Lesen und natürlich auch beim Schreiben, immer schon einen Schritt weiter sind, als die Buchstaben auf dem Papier bzw. auf dem Bildschirm.

Beim Schreiben kennen wir das: Unsere Gedanken eilen in unserer Geschichte oder auf unserem Themengebiet oft weit voraus, so dass wir direkt durcheinander kommen und noch einmal einen Absatz zurück gehen und uns und unsere Gedanken sortieren müssen. Manchmal fällt es uns erst beim zweiten Lesen auf. Denn auf einmal fehlen ganze Sätze und/oder Zusammenhänge. Das passiert, wenn unser Hirn vorauseilt und unsere Tippfähigkeiten nicht hinterher kommen. Wenn wir dann gerade so richtig im Flow sind, tippen wir nicht mehr hinter unseren Gedanken hinterher, sondern wir überspringen einfach einen Teil. So synchronisieren wir Schreiben und Gedanken unbewusst und wundern uns später, warum ein ganzer Teil fehlt. 

head bang pissed

Diese gefühlte Fehlfunktion hat in anderen Situationen durchaus ihre Berechtigung. Beispielsweise wenn uns jemand vor einer Gefahr warnt. Unser Gehirn ist dann in der Lage, Inhalte zu antizipieren und vorwegzunehmen. So können wir schneller reagieren und unser Überleben ist gesichert. Natürlich hat das nix mit dem Schreiben zu tun, aber unser Gehirn stammt halt aus einer Zeit, in der es ums nackte Überleben ging. Diese Funktionen haben sich, seit Fred und Wilma Feuerstein nicht verändert. Es sind weitere Funktionen hinzu gekommen und wir nutzen unser Gehirn immer besser, aber diese alten Mechanismen schlagen immer wieder durch. 

Schreibfehler Ursache: Unser Gehirn macht Fehler

Ein weiteres Phänomen für Schreibfehler ist, dass unser Gehirn „Fill in the Blanks“ spielt. Wenn ein paar Buchstaben fehlen oder verdreht sind, dann hält es sich nicht lange damit auf sondern tut so, als wären sie da. Ein wunderbares Beispiel ist dieser Text:

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Grundsätzlich doch toll, dass wir das können. Das Dumme ist nur, wenn wir den Text kennen, steigt die Wahrscheinlichkeit exponentiell, dass wir Fehler nicht mehr sehen. Für diese Form der Fehler ist die Mustererkennung in unserem Gehirn zuständig. Unser Gehirn ist fabelhaft im erkennen von Mustern. Das ist übrigens auch der Grund, warum wir so oft Muster und Zusammenhänge vermuten wo gar keine sind. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zum Erkennen von Mustern und warum das Gehirn darin so gut ist. Auch hier müssen wir zurück in die Zeit von Fred und Wilma Feuerstein, denn zu dieser Zeit war das Erkennen von Mustern überlebenswichtig.

Es war wichtig zu erkennen, in welchen Mustern die Mamutherden von A nach B zogen. Es war wichtig zu erkennen, wann welche Pflanzen Früchte tragen und es war wichtig zu erkennen, wann Ebbe und wann Flut ist, wenn Du am Meer unterwegs warst. Es war wichtig zu erkennen, wie sich das Wetter in welcher Situation entwickelt und es war wichtig zu erkennen, wann der Säbelzahntiger sich zum jagen aufmacht und in welchem Abstand man vor ihm sicher war. All das sind Muster. Und wir stammen von Mustererkennungsmeister*innen ab. 

Automatische Mustererkennung im Gehirn

Da die automatische Mustererkennung mit der unser Gehirn ausgestattet ist automatisch, also unbewusst abläuft, bemerken wir oft gar nicht, dass wir ein Muster erkannt, angelegt und darauf reagiert haben. Wir machen uns diese Hirnfunktion so oft und so selbstverständlich zu Nutze, dass sie völlig normal ist. Lesen und Schreiben sind nichts anderes als Muster. Buchstaben in einem bestimmten Muster anzuordnen ist für uns völlig normal.

Und wenn mal ein Dreher drin ist oder ein Buchstabe fehlt, dann bemerken wir es in der Regel oft nur, wenn wir den Text nicht selbst geschrieben haben. Darum immer ein Korrektorat bzw. Lektorat für Deine Bücher beauftragen. Allein hast Du keine Chance. Übrigens ist es empfehlenswert Lektorat und Korrektorat zu trennen, denn auch hier greifen natürlich dieselben Mechanismen.

3 Tipps gegen Schreibfehler

1.) Rechtschreibprogramme. Die meisten Schreibprogramme haben schon eine Rechtschreibkorrektur eingebaut. Ihre Lei(s)tung ist jedoch eingeschränkt. Am Beispiel „Leistung“ kannst Du das schon gut erkennen. Denn Leistung und Leitung sind ja beides korrekte Wörter. Da die Programme NOCH nicht so weit sind, denn Zusammenhang korrekt zu erkennen, ist hier immer noch der Mensch gefragt.

2.) Später lesen. Lass zwischen Schreiben und Korrektur lesen ein wenig Zeit vergehen. Nach 24 Stunden hat Dein Gehirn in der Regel den Faden verloren und muss sich neu auf das Geschriebene einstellen. Bei Büchern ist es ein wenig komplizierter, da Du ja tief in Deinem Thema, Deiner Geschichte drin steckst. Aber es ist trotzdem sinnvoll, noch einmal nach einer gewissen Zeit auf die eigenen Texte zu schauen, denn man findet immer wieder den einen oder anderen Schreibfehler.

3.) Korrektorat und Testleser*innen. Zusätzlich zum Lektorat noch einmal ein Korrektorat beauftragen. Darüber hinaus haben sich Testleser*innen nach Lektorat und Korrektorat bewährt, denn hier werden oft noch Fehler gefunden, die vorher übersehen wurden

Ein letzter Tipp gegen Schreibfehler: Mach Dich nicht verrückt, wenn Dich jemand auf den einen oder anderen Fehler in Deinem Buch hinweist. Fehler lassen sich nicht zu 100% vermeiden. Wenn die Fehler nicht Überhand nehmen, ist alles in Ordnung. Außerdem kannst Du die Fehler ja in der nächsten Fassung ausmerzen.

Hat Dir der Artikel weitergeholfen? Und hast Du noch einen Tipp, wie Du für weniger Schreibfehler vorgehst? Schreib mir gern in die Kommentare.

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2 Kommentare

  1. Ich bekam den Tipp von einer befreundeten Kunstlehrerin: Den Text RÜCKWÄRTS lesen. Ist mühsam, aber das Gehirn ist sehr wachsam dabei. Habe einige Fehler entdeckt.

    Antworten
    • Sehr cooler Tipp! Vielen Dank dafür 👍🏻

      Antworten

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