Was zeichnet einen guten Verlag bzw. einen guten Buchvertrag aus?

Was zeichnet einen guten Verlag bzw. einen guten Buchvertrag aus?

9. Mai 2021

In der letzten Zeit erreichen mit immer wieder Anfragen, ob es okay ist, wenn Verlage von Autor*innen einen Vorschuss verlangen, um ihre Bücher zu veröffentlichen. Man würde mit Verkauf der Bücher den Vorschuss an die Autor*innen zurück zahlen … AUF GAR KEINEN FALL MACHEN!!!! Dann kannst Du auch direkt selbst verlegen! Das ist kein seriöses Geschäftsmodell! 

Aber mal von Anfang an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten das eigene Werk zu veröffentlichen. Der Klassiker ist der Weg über einen Verlag. Dazu kommen wir später. Fangen wir mal mit dem Selfpublishing an. Selfpublishing bedeutet Selbstverlag. Hier gibt es auch wieder verschiedene Möglichkeiten.

Dein Buch selbst verlegen und alles selbst machen

Alles selbst zu machen und nicht auf Amazon, BoD und Co. zurück zu greifen ist der Weg, den Autor*innen vor dem Internet gegangen sind, wenn sie keinen Verlag gefunden haben. Das heißt: Du machst alles selbst. Lektorat, Gestaltung, Druck, Vertrieb, PR und Marketing liegt alles in Deiner Hand. Klingt mega anstrengend, hat aber durchaus Vorteile. Denn Du hast alles in der Hand. Du musst Dich keinem aktuellen Mainstream oder irgendeiner Verlagsphilosophie anpassen. Du kannst im Grunde machen, was Du willst. Dafür trägst Du die volle Arbeitslast und das volle finanzielle Risiko. Hier mal eine kurze Rechnung, was an Kosten auf Dich zukommt:

Lektorat und Korrektorat: 4-8 Euro pro Normseite

Satz und Gestaltung: zwischen 500,- bis 2.000,- Euro 

Druckkosten: 1000 Stück, ca. 2.000 Euro

Marketing, PR und Vertrieb ist schwer zu berechnen, aber Du kannst Dir im Internet einfach mal einen unverbindlichen Kostenvoranschlag diverser Buchvertriebe machen lassen. Auch das ist nicht ganz günstig … 

Schaut man sich diese Kosten an wird schnell klar: Bücher veröffentlichen ist ein unternehmerisches Risiko.

Selfpublishing für Print-on-Demand Anbieter*innen

BoD, Amazon und Co. sind die typischen Selfpublishing Plattformen. Jede Plattform hat unterschiedliche Modell. Bei einigen Plattformen zahlst Du als Autor*in schon in der Basisvariante einen überschaubaren Betrag. Dafür erhältst Du in der Regel den Print-on-Demand Service. Das heißt, Du stellst Dein fertig lektoriertes, gesetztes und designtes Manuskript auf der jeweiligen Plattform ein und dann kann Dein Buch darüber und teilweise auch über den Handel und andere Plattformen bestellt werden. Dein Buch ist damit auf dem Markt. Auch hier liegen die Kosten von Lektorat, Korrektorat, Satz und Gestaltung bei Dir. Die Druckkosten sowie eine geringe Veröffentlichungsmarge werden bei jeder Bestellung einzeln abgezogen. 

Auch hier musst Du Marketing- und PR-technisch selbst ran. Sonst erfährt niemand, dass es Dein Buch gibt … Allerdings ist das finanzielle Risiko etwas geringer, da eben die Druckkosten nicht zu buche schlagen. Außerdem musst Du Dir um den Versand keinen Kopf machen. Also hast Du auch an der Arbeitsfront etwas weniger Aufwand.

Graubereich: Verlage, die von Autor*innen einen Kostenzuschuss verlangen

Schaut man sich die ganzen Kosten an, klingt es zunächst einmal logisch, dass ein Verlag Autor*innen mit ins Risiko nehmen will. Aber – und jetzt kommt es – Du bist ja schon mit Deiner Schreibzeit im Risiko. Das sind Kosten, die ich weiter oben gar nicht aufgeführt habe. Aber Deine Zeit kostet ja auch! Denn sie ist, bezogen auf das Schreiben, Arbeitszeit. Im Grunde sind Verlage, die eine Kostenbeteiligung von ihren Autor*innen fordern, vergleichbar mit Arbeitgeber*innen, die von ihren Angestellten erwarten, dass sie Geld mitbringen, damit sie arbeiten dürfen! 

Nun kann man argumentieren, dass die Verlage ja auch das Hauptrisiko und den Hauptanteil der Kosten tragen, aber dafür reden sie bei Deinem Buch dann zusätzlich auch noch ordentlich mit … Da stimmt das Verhältnis aus Risiko und Selbstbestimmung überhaupt nicht mehr.

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Hinzu kommt noch: Wenn der Verlag kaum noch – und die meisten dieser Verlage verlangen so viel Geld von ihren Autor*innen – ein Risiko hat und alle Kosten gedeckt sind: Warum soll er dann noch Vertrieb, Marketing und PR machen? 

Oft wird das Ganze dann mit einer Mindestabnahmemenge von Autor*innen Exemplaren vertuscht. Achtung: Auch sehr Shady! Denn wenn Du 100 oder mehr Exemplare abnehmen musst, holt der Verlag im Vorweg so den Großteil seiner Kosten rein … Auch dann ist der Antrieb, Dein Buch ordentlich zu vermarkten nicht mehr soooo riesig …

Meine Empfehlung: Wenn Du Geld mitbringen sollst, um zu schreiben, lass die Finger davon. 

Verlage die kein Honorar und/oder keinen Vorschuss zahlen, sonst aber alles übernehmen

Sehr verbreitet im Sachbuchbereich, denn im Vergleich zur Belletristik, werden im Sachbuchbereich nicht die riesigen Gewinne bzw. Verkaufszahlen erzielt. Der Sachbuchmarkt macht in Deutschland rund 30% aus. So ist es auch in etwa im Auflagen- bzw. Honorarvergleich. Da die Gewinnspanne nicht so hoch und das Risiko im Verhältnis höher ist, arbeiten viele Verlage auf Provisionsbasis mit ihren Autor*innen zusammen. Das heißt, Du bekommst kein Honorar und auch keinen Vorschuss auf die erwarteten Verkäufe. Du gehst also mit Deiner Schreibarbeit in Vorleistung. Das ist aber auch schon alles. Alles andere übernehmen die Verlage. Je nach Verlag wird dann quartalsweise, halbjährlich oder jährlich abgerechnet und Du erhältst Deinen vertraglich geregelten Anteil am Verkauf. 

Diese Verlage gehen, genau wie Du mit dem Schreiben, mit ihrer Arbeit und den Druck- und Distributionskosten ins Risiko. Damit haben sie ein valides Interesse daran, dass sich Dein Buch auch gut verkauft. Schließlich müssen sie ja auch ihre Kosten wieder reinholen. So entsteht eine Partnerschaft mit gleichen Interessen. In diesem Umfeld ist es auch gerechtfertigt, dass der Verlag seine Expertise mit einbringt und auch mitbestimmt, in welche Richtung es mit dem Buch geht. Es ist ein Vertrag auf Augenhöhe.

Der Klassiker: Du schreibst und bekommst einen Vorschuss bzw. ein Honorar

Die renommierten Verlage zahlen ihren Autor*innen ein sogenanntes Autor*innenhonorar. Der Begriff bezeichnet einen Vorschuss, der im Zweifel nicht zurück gezahlt werden muss. Was ist damit gemeint? Üblich ist, dass Du eine Summe X als Vorschuss auf den Verkaufserfolg Deines Buches erhältst. Die Höhe der Summe hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise, ob Du in der Vergangenheit schon erfolgreich veröffentlicht hast und von der geplanten Auflagenhöhe. 50% des Vorschusses erhältst Du in der Regel bei Vertragsunterzeichnung und 50% bei Manuskriptabgabe. Es gibt auch andere Aufteilungen, die ähnlich gestaltet sind. 

Natürlich verdienst Du auch hier am verkauften Buch aber die Auszahlungen beginnen erst, wenn Dein Vorschuss verdient wurde. Wird der Vorschuss nicht verdient, was durchaus vorkommt, musst Du aber nichts zurück zahlen. Das Risiko trägt der Verlag. Mit anderen Worten, der Verlag schließt zwei Wetten auf Dich ab. Die eine Wette bezahlt er mit den Kosten die er hat (vergleiche Selfpublishing Kosten, wobei hier noch diverse Personalkosten oben drauf kommen). Und die zweite Wette bezahlt er mit Deinem Honorar. Das bedeutet, dass der Verlag wirklich an Dich und Dein Buch glaubt. Sonst würde er nicht auf Dich setzen. Das ist auch der Grund, warum die Reputation in einem renommierten Verlag zu schreiben ungleich höher ist. Der Verlag ist in diesem Fall Dein stärkstes Testimonial. 

Aber auch hier musst Du Marketingtechnisch ran. Natürlich hilft der Verlag mit. Aber der Verlag bringt zur gleichen Zeit noch einen ganzen Haufen weiterer Bücher raus. Darunter mit Sicherheit auch ein Paar von Bestsellerautor*innen. Das sind die Zugpferde, die es dem Verlag ermöglichen, neue Autor*innen zu fördern. Da liegt es auf der Hand, dass erst einmal die Marketingenergie in die Zugpferde gesteckt wird, damit das finanzielle Grundrauschen stimmt. Und die restliche Zeit wird unter allen anderen Neuautor*innen aufgeteilt … Du musst kein Mathegenie sein um zu begreifen, dass es förderlich für Dein Buch ist, auch hier selbst aktiv zu werden.

Fazit:

Entscheiden musst Du Dich am Ende natürlich selbst. Ich kann für mich allerdings kein Szenario finden, bei dem ich einem Verlag Geld dafür zahle, dass ich für ihn arbeiten darf. Auch nicht, wenn ich ein Sachbuch als Marketinginstrument sehe. Denn dafür reden diese Verlage einem ganz schön viel rein. Da setze ich doch lieber auf Selfpublishing und habe freie Hand … 

Grundsätzlich empfehle ich, es immer erst einmal bei den großen, renommierten Verlagen zu versuchen. Denn Deine Selfpublishingbücher werden sich besser verkaufen, wenn Du schon das eine oder andere Buch in einem großen Verlag veröffentlicht hast. Diese Reputation ist immer noch Gold wert.

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2 Kommentare

  1. Hallo Anja, das war recht hilfreich!. Ich veröffentliche über epubli, Berlin und mache alles selbst (Lektorat, Design, Layout, Titelblatt usw.). Ist zwar wie Du auch schreibst, eine Menge Arbeit aber so läuft es ganz gut, weil die Bücher bei epubli, amazon usw. bestellt werden können. Zusätzlich mache ich nichts fürs Marketing (das erscheint mir schreckich zeitaufwendig), allerdings habe ich mich bei den ansässigen Buchhandlungen bekannt gemacht. Natürlich wünschte ich, ich wäre präsenter, aber ob der Zeitaufwand für mich lohnt…

    Antworten
    • Moin Tina,

      ist die Veröffentlichung bei epubli kostenlos? Es ist echt nicht einfach, den Überblick über alle Plattformen zu behalten 😉

      So zeitaufwendig ist Marketing gar nicht. Ich habe vor kurzem bei einem Instagram-Live einmal nachgerechnet. Ich brauche 6-8 Stunden pro Woche. Also einen Arbeitstag für mein gesamtes Marketing. Ich glaube, dazu schreibe ich nochmal einen Artikel inkl. Zeitplanung. Tatsächlich dauert es eine Weile, bis sich der Aufwand auszahlt. Das habe ich bei der letzten Probeleserunde für „Marketing für Autor*innen“ richtig gemerkt. Noch vor einem Jahr waren diese Leserunden etwas zäh und es kamen auch nicht so viele Rezensionen und wertschätzende Verbesserungsvorschläge dabei heraus. Diesmal war es der Kracher 🙂 Und auch die Verkaufszahlen laufen, für so ein Nischenbuch, echt gut 🙂 Also: Ja, auf Dauer lohnt sich Marketing immer.

      Liebe Grüße
      Anja

      Antworten

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Anja Niekerken

Über Anja

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