Was verdienen Autorinnen und Autoren mit einem Buch?

Was verdienen Autorinnen und Autoren mit einem Buch?

3. Oktober 2021

Honorare: Butter bei die Fische

Keine Ahnung, wie oft ich das gefragt werde: „Was verdient man an einem Buch?“ „Wieviel verdient man als Autor bzw. Autorin?“ Oder „Wie hoch ist denn nun so ein Autorinnen- bzw. Autorenhonorar?“ Da gibt es eine ganz präzise Antwort: Kommt drauf an 😉

Worauf? Naja, ähnlich wie in anderen Branchen auch, gibt es in der Schreibendenzunft die Top- und die Geringverdiener*innen. Es versteht sich fast von selbst, dass eine Neele Neuhaus und ein Sebastian Fitzek mehr verdienen, als andere Krimischreibende, die weniger Bestseller gelandet und weniger Fans im Rücken haben. Die Gründe dafür sind so einfach wie nachvollziehbar: Je mehr Bücher verkauft werden, umso mehr verdienen die Schreibenden. Und was noch hinzu kommt: Verkaufen sich Bücher einer Autorin bzw. eines Autors erstmal wie geschnitten Brot, dann verdienen die Schreibenden auch prozentual mehr am verkauften Buch, als die, die weniger Exemplare verkaufen.

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Aber warum ist das so? Dazu muss man zunächst einmal verstehen, dass ein Verlag natürlich ein Unternehmen ist, welches gewinnorientiert wirtschaften muss. Ja, ich weiß, eigentlich klar, aber viele Autorinnen und Autoren scheinen das immer mal wieder zu vergessen, wenn man sich in einschlägigen Onlineforen einmal umsieht. Da wird häufig über die Profitorientierung geschimpft und ganz schnell vergessen, dass der Verlag ja auch die eigenen Kosten erwirtschaften muss und dann soll ja auch noch was übrig bleiben, um auch dem Nachwuchs eine Chance zu geben. 

Hier einmal eine grobe Kalkulation des Verlages „Voland & Quist“ pro verkauftem Buch bei einer Startauflage von 2.500 Stück:

Beispielhafte Verlagskalkulation
Bruttoladenpreis14,90 Euro
Nettoladenpreis13,93 Euro
Buchhandelsrabatt und Vertriebskosten./. 8,36 Euro [1]
Autorenhonorar./. 1,25 Euro
Lektorat und Korrektorat./. 0,24 Euro
Umschlaggestaltung und Satz./. 0,31 Euro
Buchdruck und CD-Produktion./. 1,98 Euro [2]
Werbung./. 0,20 Euro
—————————————————————————-
Saldo1,59 Euro

Da bleibt jetzt nicht sooooo wahnsinnig viel beim Verlag hängen. Im Grunde nicht viel mehr als bei den Schreibenden. Denn in dieser Kalkulation fehlen noch die Personalkosten, Bürokosten wie Miete, Messen und alles was sonst noch so im Marketing oben drauf kommt. Da müssen schon ein paar Bücher verkauft werden, um einen rentablen Verlag zu führen.

Soweit so gut. Die ganz Schlauen unter Euch haben jetzt ggf. schon mal den Autor*innenanteil in Prozent um- und auf eine entsprechende Auflage hochgerechnet. Muss aber nicht sind, denn hier kommt einmal eine Aufstellung, wie sie im Durchschnitt bei Erstautor*innen und Schreibenden mit geringerem Bekanntheitsgrad üblich sind:

Beispielhafte Honorarstaffelung:

  • 5 % bis 5.000 verkaufte Exemplare
  • 6 % bis 10.000 verkaufte Exemplare
  • 7 % bei mehr als 30.001 Exemplaren

Dabei handelt es sich bitte ausdrücklich um ein Beispiel!!! Es gibt auch jede Menge andere Zahlen. Darum ist es auch so schwer, hier klare Antworten zu geben. Grundsätzlich wird bei diesen Zahlen in der Regel vom Nettoverlagserlös ausgegangen, welcher dann entsprechend im Vertrag definiert wird. Ich habe zum Schreibzeitpunkt dieses Artikels Verträge von fünf verschiedenen Verlagen hier liegen und alle definieren den Nettoverlagserlös anders. Und auch die verhandelten Prozentzahlen sind bei jedem Verlag anders. Das liegt zum einen daran, dass ich auch schon Bücher für Nischenmärkte geschrieben habe, wo die Absatzerwartung nicht so hoch war und zum anderen natürlich auch an meinem eigenen Bekanntheitsgrad. Der erste Vertrag der mir angeboten wurde, liegt deutlich unter den Verträgen, die ich heute verhandle, was natürlich damit zusammenhängt, dass ich bereits entsprechende Verkaufszahlen nachweisen konnte. Darüber hinaus kann ich selbst mit meinen eigenen Marketingkontakten bereits für genügend Verkaufswirbel sorgen, dass der Verlag aus dem Risiko raus ist und in die schwarzen Zahlen kommt, ohne dass der Verlag selbst schon aktiv werden musste. Damit gehöre ich aktuell in die Riege der Brot und Butter Autor*innen. Nächster Schritt ist dann die Stufe der Erfolgsgarant*innen. Da arbeite ich noch dran 😉 Einen Einblick in die Vertragsgestaltungen der Erfolgsgarant*innen gibt übrigens der Rechtsstreit um die Kluftinger Krimis, nachzulesen in der Münchner Abendzeitung.

Der Verdienst hängt von den Verkaufszahlen ab

Zurück zu den Honoraren. Wenn wir uns nun solche beispielhaften Staffelungen, wie gesagt, die sehen immer unterschiedlich aus, ansehen, dann wird schnell klar: okay, ich muss also möglichst viele Bücher verkaufen. Im Grunde ein No-Brainer. Aber jetzt ist die Frage: Was sind denn so Erstauflagen bei Erstautor*innen? 5.000 Stück sind ein guter Daumenwert. Wobei das im Sachbuchbereich schon ein ganz ordentlicher Erfolg ist, wenn Du 5.000 Stück verkaufst. Hier spricht man schon bei 3.000 Stück von einem Erfolg. Bei Nischentiteln sogar schon bei 1.000 verkauften Exemplaren. In der Belletristik sind 5.000 Stück eine ganz normale Startauflage. Damit hat Sebastian Fitzek übrigens auch mal angefangen, wie er im „Erfolgreich schreiben“ Podcast im Interview erzählt hat. Verkauft sich diese Anzahl an Büchern nicht, kannst Du fast davon ausgehen, dass Du im nächsten Jahr Dein Manuskript bei einem anderen Verlag unterbringen musst. 

Da fragen sich natürlich dann viele Autor*innen, warum sie überhaupt im Verlag schreiben sollten, Selfpublishing lohnt sich doch viel mehr … Naja, die oben gezeigte Kalkulation gilt natürlich auch beim Selfpublishing. Und die Kosten fürs Lektorat sind da noch moderat mit insgesamt 600 Euro veranschlagt. Das wird, je nach Seitenumfang, schnell teurer. Darüber hinaus hat eine ordentliche Umschlaggestaltung auch ihren Preis. Alle, die dieses Geld sparen und auf die angebotenen Programme der Selfpublishingfirmen zurück greifen, reihen sich mit ihren sicher liebevoll geschriebenen Büchern in die Reihe der stümperhaft gestalteten Werke ein die schreien „Kauf mich bloß nicht!“. Sorry, dass musste mal in aller Deutlichkeit gesagt werden. Wer am Cover spart, vergrault Leser*innen. Zurück zu den Verdienstmöglichkeiten: Ja, sie sind besser, aber Dir fehlt natürlich der Weg in den Buchladen, also der professionelle Vertrieb. Und da konkurrierst Du mit den Profivertrieben der großen Verlage, die schon seit Jahren Beziehungen zu den Händler*innen haben. Auch wieder nicht sooo einfach. Wenn Dich die genauen Zahlen interessieren, dann bei der selfpublisherbibel.de eine Umfrage aus 2019 dazu.

Damit ist dann auch die Frage schnell geklärt, ob man vom Schreiben leben kann. Ja, aber erst, wenn Du wirklich Bücher verkaufst … Vorher nicht. Die gute Nachricht ist, wenn Du kontinuierlich dran bleibst und regelmäßig Marketing für Dich und Deine Bücher machst, dann sind die Chancen gar nicht so übel, dass es eines Tages klappt.

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Anja Niekerken

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